Es stehen ausländische und Schweizer Namen auf der Liste, die sich jeden Monat ins Ticketsystem des SRK eintragen, um eine essen+mehr-Tasche abzuholen. Zu 95% sind es Familien.
Armut steigt
Die Auswirkungen der Pandemie, der kriegerischen Handlungen in nächster Nähe, der Energieproblematik, höheren Prämien und der steigenden Inflation bringen immer mehr Familien in existenzielle Nöte. «Ich erinnere mich unter anderem an eine Frau mit kleinem Kind in Emmenbrücke», erzählt Seppi Buob, einer der SRK-Freiwilligen, der sich seit Oktober 2020 an der monatlichen Verteilaktion beteiligt. «Während der Pandemie habe ich die Tasche ein paar Mal vorbeigebracht, dann habe ich sie auch wieder gesehen am Samstag bei der Abholung. Sie bedankte sich jedes Mal so rührend. Ich spürte einfach, dass sie diese Hilfe wirklich braucht.» Tatsächlich sind die haltbaren Lebensmittel wie Teigwaren, Mehl, Essig, Reis, Tee oder Konfitüre ein wichtiger Zustupf für die Ernährung. «Manchmal gibt es auch Schokolode oder etwas anderes, das sich diese Menschen nicht leisten können», informiert Rolf Brunner, der die Verteilaktionen seit Januar 2022 koordiniert. Und was kommt sonst noch in die Tasche? Waschmittel, Seife, Deo, Pflaster oder Zahnpasta – alles Dinge des täglichen Lebens, die für die Hygiene und Gesundheit wichtig sind.
2500 Freiwilligenstunden
Einmal im Monat werden die Alltagsprodukte am Donnerstag angeliefert. Am Nachmittag treffen sich die Freiwilligen, bauen Packstrassen auf und befüllen die einzelnen Taschen. Am Freitag wird ein Teil davon an verschiedene kooperierende Institutionen ausgefahren. «Ich helfe meist am Donnerstag beim Einpacken und am Freitag beim Ausfahren», fährt Seppi Buob fort. «Es braucht diese Aktion, die Leute sind froh, es spricht sich immer mehr rum. Ich ‹liefere› zum Beispiel in die Gegend um Emmenbrücke, Sursee und Wolhusen zu Kirchen, Sozialzentren oder auch mal dem Tischlein-Deck-dich.» Bei jeder Aktion wird eine bestimmte Anzahl Taschen über Institutionen vergeben. «Damit sichern wir eine breite Erreichbarkeit von Menschen, denn wir wollen mit der Aktion Personen im ganzen Kanton und nicht nur in der Stadt und auch möglichst viele unterschiedliche Gruppen erreichen», erklärt Rolf Brunner. «Da ist auch mal eine Sektion von Pro Senectute dabei, ein Frauenhaus oder eine Notschlafstelle. Am Samstag wird dann vor Ort in Luzern verteilt.»
Eine gute Sache
Bei den Begünstigten, den Kooperationspartnern, den Freiwilligen und bei Spenderinnen und Spendern komme die Aktion essen+mehr gut an, resümiert Marco Bontekoe, Bereichsleitung Soziales und Stellvertretender Geschäftsführer. «Es ist eine einfache und sehr direkte Aktion, die gut funktioniert. Auf der einen Seite gibt es die Gönner, auf der anderen Seite die Empfänger und wir sind als Organisatoren in der Mitte.» Als Beispiel erwähnt er eine Spenderin, die seit bald zwei Jahren jeden Monat online vier Taschen finanziert. Auch anstelle von Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenken sind schon Spenden eingegangen. Das SRK freut sich über jede Spende.