Grosse Aufgabe

Pflegende und betreuende Angehörige

Am 30. Oktober wurde in der Schweiz zum dritten Mal der „Tag der pflegenden und betreuenden Angehörigen“ begangen. Er rückt das beispiellose Engagement von Angehörigen ins Zentrum und ruft uns in Erinnerung, wie wichtig es für Angehörige ist, rechtzeitig Hilfe zu holen und sich bei kompetenten Institutionen zu informieren. Am Beispiel der an Parkinson erkrankten Elisabeth Graber zeigen wir Entlastungsmöglichkeiten auf.

170‘000 Angehörige pflegen gemäss einer Spitex-Studie ihre Angehörigen in der Schweiz. Sie leisten insgesamt rund 64 Millionen Stunden, was einem Wert – würden sie durch Fachleute erbracht - von 3.5 Milliarden Franken entspricht. Die Bedeutung dieses Engagements nimmt angesichts der demografischen Alterung der Gesellschaft mit jedem Jahr zu. Denn immer mehr Angehörige engagieren sich in ihrer Familie und fühlen sich oft in der Pflege ihrer Nächsten überfordert. Sie brauchen dringend Verschnaufpausen, auch zu ihrem eigenen Schutz.

Gut geschulte Betreuer/-innen kommen nach Hause

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Kanton Luzern bietet verschiedene Dienstleistungen in solchen Situationen an. Der Entlastungsdienst für pflegende Angehörige kommt nach Absprache ein- oder mehrmals pro Woche nach Hause und übernimmt die Aufgaben des/der Angehörigen. Die Einsätze können sehr flexibel sein, wie das Beispiel der Familie Graber zeigt: Bei Elisabeth Graber wurde nach dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren Parkinson diagnostiziert. Die mittlerweile 90-jährige Luzernerin war trotz der Krankheit noch lange selbständig – bis sie im vergangenen Herbst mehrmals stürzte. Gemeinsam entschied sich die Familie für einen Umzug ins Altersheim. Dort stellte sich sehr schnell heraus, dass die betagte Dame sehr unglücklich und auch aufgrund ihrer Krankheit nicht am richtigen Ort war. Für einige Monate konnte Tochter Dorothea die Pflege übernehmen. Da dies für die Ordensschwester einer geschlossenen Zisterzienserinnenabtei in Deutschland nicht dauerhaft möglich war, wandte sie sich an ihr Kloster und erhielt eine Sondererlaubnis: Während zehn Tagen darf sie sich um ihre Mutter in der Schweiz kümmern und geht dann für fünf Tage zurück nach Deutschland. Um die fünftägige Zwischenperiode zu überbrücken nahm die Familie Graber mit dem SRK Kontakt auf, das eine gute Lösung fand. Seither stehen an diesen Tagen von morgens um 10 bis abends um 17 Uhr Mitarbeitende der Entlastungsdienste im Einsatz. Sie werden abgelöst von Tochter Ruth Gamma-Graber, die von 17 Uhr an bei ihrer Mutter ist, bis um 22 Uhr erneut eine SRK-Betreuerin für die Nacht kommt und ihren Dienst beendet, wenn die Spitex morgens um 9 Uhr eintrifft.

Durchatmen und Kraft schöpfen

Nicht jeder Einsatz ist so komplex. «Oft sind wir einmal in der Woche für vier Stunden in einem Einsatz» informiert Béatrice Reinhard, Bereichsleitung Soziales des SRK. In dieser Zeit können sich pflegende Angehörige eine Auszeit nehmen und etwas für sich erledigen oder unternehmen. „Wir bieten diesen Halbtag für einen nicht kostendeckenden Spezialpreis an, damit sich die Menschen ein paar freie Stunden gönnen, denn es ist wichtig, dass sie die Kraft und die Gesundheit behalten."

Deshalb erinnert das SRK daran, dass sich Betroffene ihren Nächsten zuliebe frühzeitig für gezielte Unterstützung interessieren und sich über die zahlreichen (Entlastungs-)Möglichkeiten informieren sollten. Es kommt häufig vor, dass die Betroffenen und ihre Angehörigen zu spät Hilfe organisieren, so dass manchmal nur noch Spital oder Altersheim als Lösung übrigbleiben.

Eine wichtige Vermittlerrolle spielen dabei auch Hausärztinnen und Hausärzte. Als Vertrauensperson von Betroffenen und deren Angehörigen können sie sie rechtzeitig auf die vielen verschiedenen Entlastungsangebote aufmerksam machen und mitwirken, dass die Patientinnen und Patienten länger daheim leben können. Das SRK bietet auch einen Entlastungsdienst für alleinstehende Menschen an, organisiert speziell geschulte Betreuende für Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie z.B. bei Demenz, Parkinson oder Altersdepression und ist auch in der Ferienzeit zur Stelle, wenn Kinder, Partner oder andere Angehörige nicht zu Hause sein können.  

Die Entlastungsdienste des SRK Kanton Luzern werden von unterschiedlichsten Kundinnen und Kunden vielfältig genutzt:

  • Einsätze kurzfristig oder zeitlich begrenzt oder teilweise über Jahre hinweg
  • Einsätze Betreuung bei normalen Beschwerden und Krankheiten wie z.B. Parkinson oder Demenz
  • Mundartsprechende und vielsprachige Betreuer/-innen
  • Verrechnung auf Basis unterschiedlicher Sozialtarife